Berichte · Fliegenfischen im Chiemgau · 11. März 2014
Bavarian Flats – ein Fliegenfischererlebnis der besonderen Art
Morgens auf der Skipiste, mittags Sichtfischerei auf Forellen und Saiblinge im niedrigen, glasklaren Förchensee.

Die frühe Märzsonne sorgte für ein wohliges Gefühl, und mit geschlossenen Augen genoss ich die ersten warmen Sonnenstrahlen des Jahres. Ich öffnete meine Augen und befand mich mitten auf einer urigen Alm in einem bayerisch-österreichischen Skigebiet. Nach drei Stunden intensivem Skivergnügen wurden die Pisten nun so voll, dass es Zeit war für eine Brotzeit und die finale Abfahrt. Die Frühlingssonne, guter Schnee, beste Stimmung und die Erwartung auf ein besonderes Erlebnis am Nachmittag ließen Weißbier, Brezn und Weißwurst besonders gut schmecken.
Der Förchensee liegt genau auf dem Weg vom Skigebiet nach Traunstein. So eine Chance lässt sich ein Fliegenfischer nach dem Winter natürlich nicht entgehen – zumal festzustellen war, wie die Fischerei am Förchensee nach dem recht milden Winter sein würde. So war das Auto nicht nur mit der Skiausrüstung beladen, die Fliegenfischerausrüstung war auch mit im Kofferraum. Noch auf dem Parkplatz der Gondelstation wurde direkt von den Skischuhen in die Wathose gewechselt. Nach kurzer Fahrt fiel mein Blick auf den Förchensee neben der Straße: Der Wasserstand war für die Jahreszeit extrem niedrig, die Sonne stand genau im Süden des Tals und tauchte das alpine Salmonidengewässer in unglaublich schöne Farben – das Wasser funkelte von Türkis über Grün bis hin zu schönstem Blau.
Skibrille gegen Polarisationsbrille
Schnell war die Skibrille gegen die Polarisationsbrille getauscht, und ich stand in meiner Wathose am Auslauf des Sees. Dort konnte man am anderen Ufer unter den Bäumen noch Regenbogenforellen bei der letzten Vollendung des Laichgeschäfts beobachten. Toll, dass es so etwas noch gibt! Um die Forellen nicht zu stören, ließ ich den Auslaufbereich links liegen und ging den Weg im Westen des Gewässers entlang. Durch den niedrigen Wasserstand konnte man die Forellen und Saiblinge hervorragend „spotten“ und anwerfen. Mit der 4er-Rute, einer Trockenschnur und einem langen Vorfach war ich bestens ausgerüstet.
Meine Fliegenwahl fiel auf Nymphen der Größen 12 bis 16. Normalerweise kann man im Frühjahr größere Nymphenmuster fischen, doch der Förchensee hat seine eigenen Regeln: Durch das extrem klare Wasser bevorzugen die Fische eher unscheinbare, kleinere Muster. Oft näherten sie sich schnell, blieben im letzten Moment genau an der Fliege stehen und nahmen nicht. Langsam sinkende Nymphen funktionierten deutlich besser als schnell sinkende, die zu rasch zum Grund fielen und unentdeckt im Bewuchs lagen. Die Forellen kamen teilweise aus zwei bis drei Metern Entfernung heran und inspizierten die Nymphe kritisch.
Am besten funktionierte es, wenn man sich Gruppen von drei bis fünf Fischen suchte und die Fliege in ihrer Nähe platzierte – der Futterneid war dann so groß, dass einer zupackte. Einzelne Fische hingegen nahmen sich alle Zeit der Welt und verweigerten in letzter Sekunde. Diese Art der Sichtfischerei war hochspannend und anspruchsvoll zugleich – ein Auf und Ab der Emotionen, das dem Fliegenfischerherz zum Saisonstart unheimlich gut tut.
Bavarian Flats
Auf der Ostseite des Sees wartete dann ein echtes Highlight: Durch den extrem niedrigen Wasserstand war es möglich, auf fast der gesamten Länge im Wasser watend große Flachwasserbereiche zu befischen. Sofort kamen Erinnerungen an die Flatfischerei auf Bonefish in Mexiko oder Kuba hoch. Der Sonnenstand war perfekt, der helle Grund machte es leicht, die Fische auszumachen und anzuwerfen. Oft zogen gleich mehrere Fische auf die „Bavarian Flats“ und ließen sich sehr gut mit der Nymphe ansprechen. Morgens noch auf der Skipiste und mittags echte Bavarian Flats – Herz, was willst du mehr! Willkommen im Herzen Bayerns.
Auf dem Rückweg passierte ich wieder den Auslauf des Sees. Wegen der laichenden Regenbogenforellen ließ ich diesen Gewässerabschnitt völlig unangetastet; die Fließstrecke am Auslauf der Seetraun wird wie alljährlich erst mit dem Ende der Schonzeit der Regenbogenforellen am 16. April eröffnet. Wenn auch Sie eine schöne Frühjahrsfischerei auf Bachforellen und Saiblinge erleben möchten, empfehlen wir eine rechtzeitige Reservierung unter +49 (0)8662 7070.
Text & Fotos: Ralf Raacke

Tageskarten
Lieber selbst ans Wasser?
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